Schon seit etwa 10 000 Jahren hält der Mensch gezähmte Schweine, ausgehend vom asiatischen Teil der Türkei. 2000 Jahre später zogen sie mit ihren Haustieren westwärts und brachen die domestizierte Form des Schweines bis nach Europa. Gezähmte Sauen, Eber und Ferkel machten unsere Vorfahren unabhängiger von der Jagd auf Wildtiere.

Wer ist der Urahn unserer heutigen Schweine? Es wurde angenommen, dass die Herkunft auf die europäischen und asiatischen Wildschweine zurückzuführen ist. Die beiden, in Asien und Europa unabhängig voneinander entstehenden Zuchtschweinetypen, unterschieden sich erheblich:

Die asiatischen Schweine waren frühreifer und hatten größere Würfe als der europäische Typ. Dies wurde 2005 durch englische Forscher anhand von Erbgutuntersuchungen bestätigt.

Diese These wird von anderen Experten wiederum bezweifelt und eher eine monophyletische Abstammungsgemeinschaft vom asiatischen Wildschwein vertreten. (monophyletisch = von einer Urform abstammend)

Schweinerassen

Wildschweine - Urahn des Hausschweines

Die Wildschweine gliedern sich in verschiedene Unterarten, die sich in der Körpergröße unterscheiden. Dabei ist auffällig, dass die Größe sich von West nach Ost verringert. Die Farbzeichnung ist ein weiteres Merkmal. Während die ost- und südostasiatischen Schweine eine Backenbinde (heller Streifen) besitzen, fehlt diese bei den europäischen Arten. Die aus Ost- und Südeuropa stammenden Schweine hatten einen großen Einfluss, auf die (süd-)deutsche Hausschweinform. Vor allem die kleineren aufrechtgetragenen Ohren und die geringere Körpergröße waren charakteristisch.

Auch im Mittelmeerraum gab es vor allem dunkel pigmentierte Schweine, die später eine wichtige Rolle bei der Entstehung der englischen Rassezucht einnahmen.

Als letzte Tierart war es das Schwein, das Haustier, welches an unterschiedlichen Orten der Erde vom Menschen domestiziert wurde. Im asiatischen Raum geschah dies eher, als in Europa. Sie wurden als Fleischlieferanten und Opfertiere verwendet.

Diese “Hausschweine” sahen den heutigen modernen Hybriden nicht besonders ähnlich. Z. B. war das Schwein der Germanen grobknochig, mit langem Kopf, hochbeinig mit einem gebogenen Rücken, wie ein Karpfen (Scrofa-Typ). Vergleichbar mit dem europäischen Wildschwein oder dem ausgestorbenen Weideschwein.

 

 

 

Germanisch-keltische Schwein

Die ersten Hausschwein-Typen

Durch die Haustierwerdung entstanden zwei verschiedene Schweinetypen:

„scrofa“-Typ (Comberg 1984):

spätreif, kleinere Würfe (4 – 8 Frischlinge), relativ lange Gliedmaßen (hochbeinig), flachrippig, gestreckter, langer Schädel, kräftiger Hals, Ohren breit, kurz und aufrecht stehend. Typischer Vertreter ist das Vietnamesische Hängebauchschwein.

„vittatus“-Typ (Nitzsche 1964):

extrem frühreif, große Würfe, fetter und tiefer und gedrungener als der europäische Typ, kürzer Beine, Schädel und Rüssel kurz und breit, Rumpf mehr Zylinder-ähnlich, Rückenlinie meist eingesenkt. Die Wildform ist ausgestorben, es existieren domestizierte Nachkommen, die eine bedeutende Rolle in der europäischen Schweinezucht einnahmen.
Hierzu gehören das altertümliche chinesische Maskenschwein und das indisch-siamesische Hausschwein.

Bindenschwein

Es ist schon erstaunlich, dass so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen bis zum 19. Jahrhundert über die Schweinezucht bzw. Beschreibungen zu Schweinerassen zu finden sind. Dies steht im krassen Gegensatz zur Rinder- und Pferdezucht.

Zeigt es uns doch, dass die heutige Einstellung zu Schweinen als reines “Verbrauchsprodukt” sich nicht wesentlich geändert hat. Leider.

Schweineherde im 18. Jahrhundert

Die Schweinehaltung damals

Erst mit Aufgabe des Normadentums entwickelte sich der Ackerbau und die Tierzucht. Bereits zur Jungsteinzeit wurden Funde von Schweinen, vor allem im Norden entlang der Elbe, aber auch in Mitteldeutschland, entdeckt.

Schweine wurden frei lebend in der Nähe der Siedlungen und Dörfer oder im Hinterhof gehalten, wo sie gleichzeitig mit Speiseresten gefüttert wurden, wobei die wichtigste Futtergrundlage die Waldweide war. Die Unterbringung und die Versorgung waren somit mit nicht viel Aufwand verbunden. Eine Familie z. B. benötigte für die Versorgung im Winter ein Schwein. Es gab außerdem in der Dorfgemeinschaft einen Schweinehirten, der die Schweine auf die Weiden, Äcker und vor allem im Herbst zur Eichel- und Bucheneckermast in die Wälder trieb. Somit konnten deren Besitzer ihrer Arbeit auf den Feldern nachgehen.

Die Schweine wuchsen langsam und besaßen einen hohen Fettanteil. Dies war gewünscht, da die körperlich anstrengende Tätigkeit der Landbevölkerung kalorien- und energiereiche Nahrung verlangte.

 

Mitte des 18. Jahrhunderts allerdings änderte sich die Schweinehaltung. Vor allem durch den Ausbau des Ackerbaus wirkte sich, regional unterschiedlich, auf die Schweinehaltung aus.

Die Einführung der Fruchtwechselsysteme für eine Verbesserung des Futteranfalls und die Winterbevorratung und somit bessere Versorgung der Bevölkerung, ging die Waldweide oder das Nachweiden von abgeernteten Feldern für die Schweine immer mehr zurück. Vor allem spielten auch die Waldbesitzrechte der Feudalherren eine große Rolle, die die Erlaubnis zur Waldweide extrem einschränkten oder gar ganz verboten.

Das Weidefutter musste nun auf andere Weise beschafft werden in Form von Haus- und Wirtschaftsabfällen: verfüttert wurden Wurzelfrüchte, Getreide, Nebenprodukte der Brennerei und Molkerei, Unkräuter des Acker- und Gartenbaus sowie Abfälle der Hauswirtschaft. Es bestand keine Notwendigkeit mehr, die Schweine auf die Felder oder in die Wälder zu treiben.
Mit der Versorgung der Schweine, die als “Kleinvieh” galten, wurden üblicherweise die Frauen betraut, die für den Haushalt und Kindererziehung zuständig waren.

 

Womanfeedingpigs

Von der Freilandhaltung zur ganzjährigen Stallhaltung

Die nächtliche Stallhaltung verbreitete sich zunehmend. Im 19. Jahrhundert ging diese – regional unterschiedlich – in die ausschließliche Form der Stallhaltung über. Der Bedarf an Fleisch stieg immer mehr an. Die alten Zuchtlinien, wie das große Marschschwein in Nordwestdeutschland mit Schlägen regionaler Ausprägung wie das westfälische Schwein waren sehr fett, sehr schwer, robust und genügsam, lieferten Speck, waren sehr fruchtbar, wuchsen aber langsam.

Das kleine Landschwein in Süddeutschland besaß einen leichteren Körperbau, kürzere Ohren, genügsam bei der Futterauswahl und -verwertung, daher wurde es auch “Arme-Leute-Schwein” genannt, war sehr spätreif, wuchs langsam und die Anzahl der Ferkel pro Wurf war gering.

Durch Kreuzungen mit fruchtbareren Rassen (vor allem aus dem asiatischen Raum) und durch Zuchtauslese gewünschter Eigenschaften, entstand die organisierte (Rasse-)Schweinezucht in Europa.