Einst hatte jede Region ihre eigenen, über Jahrhunderte an die lokalen Gegebenheiten angepassten Nutztierrassen gezüchtet. Im Alpenraum wurden die lokalen Schweinerassen vor fast 100 Jahren durch fremde Leistungsrassen vollständig verdrängt.

 

Man könnte es als Wunder bezeichnen, dass im Jahr 2013 Herr Dr. Alessio Zanon, Schweine-Experte der italienischen Organisation zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen (RARE) von der Veterinär-Universität-Parma auf einem italienischen Lehrbauernhof eine Gruppe schwarzer Schweine gefunden hat. Wie sich herausstellte, waren dies Veltliner Schweine oder auch Bündner Schweine sehr eng miteinander verwandt. Um diese Schweinerasse nicht aussterben zu lassen, wurde nach weiteren Schweinen für den Aufbau eines gesunden Genpools gesucht. Man fand zwei weitere kleine Gruppen, die Samolaco-Schweine aus Valchiavenna und die Ultner Schecken, die ebenfalls kurz vor dem Aussterben standen.

Aus diesen Rassen entstanden die Alpenschweine. Die schwarzen Alpenschweine sind durch ihre Körperform hervorragend an die bergige Alpenlandschaft angepasst. Mit ihrem kurzen Rumpf und den langen Beinen bewegen sie sich trittsicher auf den steilen Hängen und die schwarze Hautfarbe schützt sie vor der Sonneneinstrahlung. Das dichte Borstenkleid bewahrt sie im Winter vor der Kälte.
Vor allem wurden sie früher als Begleiter der Rinderherden gehalten. Während die Rinder den Boden verdichteten und durch den Dung das Wachstum von Sauerampfer, was nicht gefressen wird, förderten, lockerten die Schweine den Boden durch Wühlen wieder auf und fraßen die Pflanzen, die von den Rindern verschmäht wurden.

In der Schweiz stellt die Stiftung ProSpecieRara alle fünf Jahre alle seltenen und gefährdeten Nutztierrassen im Rahmen einer großen Messe vor. Im Jahr 2022 konnte man dort zum ersten Mal schwarze Alpenschweine bewundern.

Neben den rein schwarzen Schweinen findet man die gescheckten und roten bzw. braunen Alpenschweine.

Anfang 2020 gibt es wieder 55 Zuchtgruppen. 29 davon in den Bergen der italienischen Provinzen Verona, Trient, Sondrio (Veltlin) und Südtirol, 12 in der Schweiz, 11 in Österrreich und 3 im südbayrischen Alpenraum. Vier der Zuchtgruppen befinden sich in Betrieben, die für Touristen öffentlich zugänglich sind.

In Deutschland kann man diese Schweinerasse im Freilichtmuseum Glentleiten in 82439 Grossweil bewundern.

 

Sau
Gewicht: 130 – 160 kg

Eber
Gewicht: 150 – 180 kg

Bildquelle(n):

Beitragsbild – Foto: Homoatrox / Wikipedia