🐗 # 69 Oink zum Sonntag – Freya und das Nilpferd-Rätsel

Heute war ich wieder unterwegs, um mir unsere wilden Verwandten anzusehen.
Man lernt ja nie aus, wenn man durch die Welt der Tiere streift.

Und dann stand ich plötzlich vor einem Nilpferd.

Groß. Rund.
Breite Schnauze.
Vier Zehen.

Ich dachte sofort:
„Na, das sieht doch aus wie ein sehr großes, sehr nasses Schwein.“

Und wisst ihr was?
Damit war ich lange Zeit nicht allein.

Über Jahrhunderte haben auch Wissenschaftler gedacht, Nilpferde seien mit uns Schweinen verwandt. Wegen der Zähne. Wegen der Schädelform. Wegen des Körperbaus. Alles schien zu passen.

Doch dann kam die moderne Forschung.

Ende der 1990er Jahre begannen Wissenschaftler, die DNA verschiedener Tiere zu vergleichen. 1997 erschien eine Studie in der Fachzeitschrift Nature, in der Forscher um Norihiro Okada bestimmte DNA-Abschnitte untersuchten.

Und plötzlich wurde alles anders.

Denn dabei kam heraus:
Nilpferde sind genetisch näher mit Walen verwandt als mit Schweinen.

Ich gebe zu, ich habe auch erst einmal blöd geguckt.

Ein Tier aus dem Fluss…
verwandt mit einem Tier aus dem Meer?

Aber damit war die Geschichte noch nicht zu Ende.

2005 fanden Wissenschaftler eine weitere Erklärung. In einer Studie von Jean-Renaud Boisserie wurden Fossilien untersucht, die zeigen, dass Nilpferde und Wale von einer ausgestorbenen Tiergruppe abstammen – den Anthracotheriidae.

Diese Tiere lebten vor sehr langer Zeit, teilweise im Wasser und teilweise an Land.

Vor etwa 50 bis 60 Millionen Jahren trennten sich ihre Wege.

Aus der einen Linie entstanden die Wale.
Aus der anderen die Nilpferde.

Heute nennt die Wissenschaft diese gemeinsame Verwandtschaft Whippomorpha – eine Mischung aus Whale und Hippo.

Und ich musste ein bisschen schmunzeln.

Denn die Ähnlichkeit zu uns Schweinen ist tatsächlich nur äußerlich.

Biologen nennen das konvergente Evolution. Das bedeutet: Tiere können ähnliche Körperformen entwickeln, obwohl sie gar nicht eng miteinander verwandt sind.

Breite Schnauzen.
Gedrungene Körper.
Vier Zehen.

Ähnliche Lebensweisen führen manchmal zu ähnlichen Lösungen.

Ich habe das Nilpferd noch eine Weile beobachtet, wie es gemütlich im Wasser lag.

Dann habe ich gesagt:

„Also gut. Dann bist du wohl eher ein Wal mit Beinen.“

Das Nilpferd hat nur geblubbert.

Und ich bin weitergezogen.

Denn je mehr ich über die Welt der Tiere lerne, desto klarer wird mir:
Familie ist manchmal komplizierter, als sie aussieht.

Aber genau das macht diese Welt auch so spannend.

Eure
Freya 🐗