# 67 Oink zum Sonntag

Welttierschutztag – und 90 Schweine weniger

Hallo, ich bin Gandhi.

Heute ist der Welttierschutztag.
Ein Tag, an dem Menschen über Schutz sprechen. Über Mitgefühl. Über Verantwortung.

Doch nur etwa 50 Kilometer von hier entfernt, im Naturschutzgebiet Voslapper Groden Süd bei Wilhelmshaven, wurde Anfang dieses Jahres etwas beendet, das kaum zu diesem Wort „Schutz“ passt.

Eine ganze Wildschweinrotte.

Etwa neunzig Tiere.

Die Behörden nennen es „Totalentnahme“.
Ein Wort, das so sauber klingt, dass man fast vergisst, was es bedeutet.

Es bedeutet:
Keiner von ihnen lebt mehr.

Zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 wurden sie nach und nach erschossen.
Nicht, weil sie krank waren.
Nicht, weil sie Menschen angegriffen hätten.

Ihr größter Fehler war:
Sie waren da.

Man vermutet, dass Menschen ihre Vorfahren einst illegal ausgesetzt haben.
Sie lebten in einem Gebiet nahe dem JadeWeserAirport.
Und sie taten das, was Wildschweine eben tun.

Sie lebten.

Nun sagen manche:
Es ging um Flugsicherheit.
Oder um die Angst vor der Afrikanische Schweinepest.

Ich verstehe die Sorge um Menschenleben. Wirklich.
Aber ich frage mich trotzdem:

Warum baut man keine Zäune, die Tiere fernhalten?

Ein Zaun tötet niemanden.
Er verhindert auch, dass neue Tiere nachrücken.

Die Tötung dagegen schafft nur eines:
Leere.

Andere sagen:
Die Tiere gehörten dort nicht hin.

Vielleicht stimmt das.

Aber sie haben sich nicht selbst dorthin gebracht.

Wenn ein Mensch einen Fehler macht –
warum bezahlen Tiere dafür mit ihrem Leben?

Wildschweine sind keine Störung der Natur.
Sie sind Teil von ihr. Sie lockern Böden, verteilen Samen, gestalten Landschaften.

Und doch wurden neunzig fühlende Lebewesen ausgelöscht,
weil sie nicht in ein Sicherheitskonzept passten.

In einem Naturschutzgebiet.

Manchmal frage ich mich, was wir eigentlich meinen, wenn wir „Schutz“ sagen.

Schutz für wen?

Vielleicht sollte der Welttierschutztag genau dafür da sein:
nicht nur Haustiere zu streicheln,
sondern auch über die Tiere nachzudenken, die still verschwinden.

Die Wildschweine von Wilhelmshaven können wir nicht mehr retten.

Aber wir können entscheiden,
wie wir beim nächsten Konflikt zwischen Mensch und Tier handeln.

Mit Gewehren.

Oder mit Lösungen,
bei denen nicht immer die Tiere sterben müssen.

Euer
Gandhi 🐷