🐷💛 Tag des gelben Schweines – zwischen Fantasie und Beton💛🐷
Am 17. Juli wird der „Yellow Pig Day“ gefeiert.
Ein US-Feiertag, erfunden in den 1960er Jahren von zwei Mathematikstudenten, die die Zahl 17 liebten – und sich ein gelbes Schwein mit 17 Wimpern und 17 Zähnen ausdachten.
Eine schräge, harmlose Idee.
Und doch lohnt es sich, an diesem Tag einen Blick auf die Realität zu werfen.
Mitten in den Bergen im Süden Chinas stehen Hochhäuser für Schweine – bis zu 13 Stockwerke hoch, rund 30.000 Tiere für Zucht und Mast. Luft und Futter werden über Rohrsysteme verteilt, vieles läuft automatisiert. Kontakt zu Natur? Kaum vorgesehen.
Wer jetzt denkt: „Das ist weit weg“ – der irrt.
In Maasdorf bei Halle (Sachsen-Anhalt) steht seit den späten 1960er Jahren ein sogenanntes Schweinehochhaus aus DDR-Zeiten. Sechs Etagen. Jahrzehntelang wurden dort Schweine gehalten – ein umstrittenes Prestigeprojekt, das immer wieder wegen Tierschutzfragen kritisiert wurde.
Heute ist das Gebäude nicht mehr in Betrieb.
Die Idee, Tierhaltung in die Höhe zu verlagern, ist also keine ferne Vision. Sie wurde bereits umgesetzt – und wird international weiterentwickelt.
Auch die Niederlande haben mit der Vision „Pig City“ diese Möglichkeit ausgelotet. Dabei handelt es sich um ein Architekturprojekt des Büros MVRDV aus den Jahren 2000–2001. Es entstand als Reaktion auf die Schweinepest und den enormen Platzmangel im Land.
Statt immer größerer Megaställe in der Fläche entwarfen die Architekten 76 über 600 Meter hohe Türme – sogenannte „Pig Flats“. In diesen vertikalen Farmen sollten Schweinehaltung, Futtermittelproduktion und sogar Schlachtung gebündelt werden.
Das erklärte Ziel: weniger Flächenverbrauch, mehr Effizienz – und gleichzeitig bessere Bedingungen für die Tiere. Geplant waren mehr Platz, Tageslicht und Außenklimabereiche, also Elemente, die Bio-Standards ermöglichen sollten, während die industrielle Produktion grundsätzlich bestehen bleibt.
„Pig City“ war nie als bloße Provokation gedacht, sondern als radikale Antwort auf ein echtes Problem: die extreme Verdichtung der Tierhaltung in den Niederlanden und die Suche nach nachhaltigeren Lösungen.
Doch auch hier stellt sich eine grundlegende Frage:
Ist die vertikale Stapelung von Leben – selbst mit mehr Licht und Raum – ein Fortschritt?
Oder bleibt sie Ausdruck eines Systems, das Tiere primär als Produktionseinheiten denkt?
Zwischen einem gelben Fantasieschwein mit 17 Wimpern
und realen Schweinen im sechsten oder dreizehnten Stock
liegt mehr als nur ein Zahlenspiel.
Es geht um unsere Vorstellung von Landwirtschaft.
Von Fortschritt.
Und darum, welchen Platz wir fühlenden Tieren in unserer Zukunft geben wollen.
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