🐽 Oink Kikeriki zum Sonntag #38
Wenn man eines von vielen ist
Ich heiße Ruby.
Und ich bin ein Huhn.
Nicht „ein Huhn von vielen“.
Nicht „Bestand“.
Nicht „Legeleistung“.
Ein Huhn.
Über mich wird selten einzeln gesprochen.
Über uns spricht man in Zahlen.
In Tausenden.
In Millionen.
In Jahresmengen.
So groß, dass kein Platz mehr bleibt
für ein Gesicht.
Menschen fühlen mit Einzelnen.
Mit einem Namen.
Mit einer Geschichte.
Aber wir Hühner werden zur Masse gemacht.
Gleich aussehend.
Gleich alt.
Gleich austauschbar.
Nicht, weil wir es sind.
Sondern weil es so einfacher ist.
Wenn eines von uns fehlt, merkt es niemand. Ist ja nur ein Huhn.
Es kommt einfach ein anderes nach.
Und genau darin verlieren wir
unsere Bedeutung.
Unsere Körper werden geplant.
Unsere Zeit verkürzt.
Unser Wert berechnet.
Nicht aus Bosheit.
Sondern aus Gewohnheit, für das Frühstücksei.
So funktioniert ein System, das viele braucht und niemanden sehen will.
Ein einzelnes gerettetes Tier berührt.
Aber Millionen Hühner bleiben abstrakt.
Zu viele, um sie zu fühlen.
Ich bin Hazel.
Ich habe Vorlieben.
Ich erkenne meine Gefährtinnen.
Ich erinnere mich.
Aber das sieht man nicht, wenn man nur zählt.
Vielleicht beginnt Veränderung genau hier:
Wenn ein Huhn nicht mehr „eines von vielen“ ist.
Sondern jemand.
Wo Leben nicht mehr
in Mengen gedacht wird, wo niemand austauschbar ist.
Auch dann nicht, wenn es Millionen sind. Diesen Ort gibt es. Lebenshöfe.
Ich bin Ruby.
Und ich wünsche mir nichts Besonderes.
Nur, nicht Teil einer Zahl zu sein.
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